Materialien für Counterspeech

Flyer-Reihe der Amadeu Antonio Stiftung Digital zum Umgang mit Hate Speech

Belltower-Logo

Wer sich bei verschiedenen Gelegenheiten gefragt hat, wie man um Himmels Willen dem Hass im Netz etwas entgegensetzen kann, für den hat die Amadeu Antonio Stiftung auf ihrer Website Belltower.News einige Flyer erstellt.

Zu folgenden Themen gibt es im Moment konkrete Tipps und Hinweise:

Reinschauen lohnt sich gegen die Hilflosigkeit.

Grausame Zustände in libyschen Flüchtlingslagern

Nachrichten aus der Hölle

Weinendes Kind vor zerbombtem Haus

©kellepics/pixabay

Die irische Journalistin Sally Hayden steht per SMS mit Flüchtlingen in Kontakt, die teilweise seit Monaten oder sogar Jahren in von Milizen kontrollierten – und von der EU mitfinanzierten! – libyschen Flüchtlingslagern dahin vegetieren. Libyen ist so schön weit weg, da können die meisten Menschen die Augen verschließen vor Folter, Vergewaltigung und Mord, vor unhygienischen Zuständen der schlimmsten Art, vor Hunger, Hoffnungslosigkeit und Wahnsinn.

Wer die Nachrichten auf Sally Haydens Handy liest und immer noch meint, das Thema Migration ließe sich „lösen“, indem man Menschen wie Vieh behandelt, ist schlicht ein empathieloses Monster. Sorry, das musste mal gesagt werden.

Hier geht es zum vollständigen Bericht auf SPON: „Keiner weiß, wie viele sterben“.

Syrisches Flüchtlingskind

Geflüchtete sind nicht das Problem

Syrisches Flüchtlingskind

©jeyeonwon/pixabay

Migration ist nicht ursächlich für Rechtsruck

Das ist wirklich spannend: Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des „Mercator Forums Migration und Demokratie“ an der Technischen Universität Dresden hat die so genannte „Flüchtlingskrise“ nur bereits bestehende Konfliktlinien sichtbarer gemacht.

Im Artikel „Nur ein Katalysator“ auf domradio.de werden weitere Erkenntnisse der Studie zitiert, z. B.:

Die Studie zeige auch, dass der starke Anstieg ein- und durchreisender Flüchtlinge und Migranten nur anfänglich entscheidend für die Mobilisierung einer rechtspopulistischen Anhängerschaft gewesen ist.

Das ist interessant, denn häufig wird ja auch in den Medien das Erstarken der rechtspopulistischen Bewegungen in einen direkten Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema gebracht. Aber damit machen wir es uns offenbar zu einfach. Die Lektüre des Artikels lohnt!

Hate Speech per Algorithmus erkennen?

Algorithmen lassen sich noch austricksen

Das Wort Hass auf einer Tastatur

©Shutterstock/Bild ID: 328949981

Um den Hate Speech im Netz einzudämmen, braucht es nach wie vor den „menschlichen Faktor“. Denn die bisher eingesetzten Algorithmen sind offenbar zu maximal 70 bis 80 Prozent dazu in der Lage, Hate Speech zu identifizieren.

Genaueres zu den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt sich im Artikel Hassreden werden von Algorithmen schlecht erkannt nachlesen. Da aber die Betreiber von Onlineplattformen inzwischen Regeln einhalten müssen, wenn es um die Prüfung und Beseitigung strafrechtlich relevanter Inhalte geht, können wir wohl davon ausgehen, dass ihnen daran liegen muss, die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben.

Psychische Erkrankungen bei Geflüchteten

Wie das geltende Asylrecht Menschen noch kränker macht

Hockender Mann mit Hoodie auf Bahnsteig

©lechenie-narkomanii/pixabay

Ein Aspekt, der in der ganzen Debatte um Migration und Integration oft untergeht, ist, dass drei von vier Geflüchteten schwere Traumata erlitten haben: Sie mussten mit ansehen, wie Angehörigen Gewalt angetan wurde oder diese sogar getötet wurden. Sie wurden selbst geschlagen, missbraucht, gefoltert. Sie haben Bombardierungen überlebt und dabei Freunde und Verwandte verloren. Man kann sich das kaum vorstellen.

Sehr viele Geflüchtete, bis zu 70 Prozent, leiden daher unter Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen wie Panikattacken und anderen Angststörungen. Und sie werden leider in viel zu geringem Umfang dabei unterstützt, diese schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Es mangelt an dafür ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten, an Dolmetschern, auch an dem dafür nötigen Geld und der Organisation.

Im sehr lesenswerten ZEIT-Artikel Ein Asylrecht, das krank macht, werden die bestehenden Hürden umfassend beschrieben. Die Erhebungen und Studien werden genannt, Fachleute zitiert. Und am Beispiel von Said, einem minderjährigen afghanischen Flüchtling, wird auch sehr nachdrücklich gezeigt, was therapeutische Hilfe leisten kann.

Aber das muss natürlich politisch gewollt sein … und leider ist eher das Gegenteil der Fall, wie wir ja wissen.

Logo Global Compact for Migration

Infos zum globalen Pakt für Migration

Was steht da wirklich drin?

Logo Global Compact for MigrationIn den letzten Tagen wurde viel Wind darum gemacht: Der globale Pakt für Migration entstand als Folge eines Gipfeltreffens zu Flucht und Migration der UN-Generalversammlung am 19. September 2016, auf dem Staats- und Regierungschefs die New York-Erklärung verabschiedeten. Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen findet sich eine Zusammenfassung. Dort ist u.a. zu lesen:

Der globale Migrationspakt nennt 23 Ziele, die sich die Staaten setzen, um die Herausforderungen globaler Migration zu bewältigen. Im Grunde genommen soll die internationale Koordination der Migration verbessert werden und die Rahmenbedingungen für Migration humaner gestaltet werden. Ferner sollen die Hauptursachen für Migration gezielt behoben werden. Zur Erreichung dieser Ziele stützt sich der Migrationspakt auf internationale Abkommen, die die Standards für die Erreichung dieser Ziele setzen sollen.

Anders als zuletzt vom österreichischen Bundeskanzler Kurz suggeriert, ist der Pakt kein rechtlich bindendes Dokument, so dass die teilnehmenden Staaten in keiner Weise in ihrer Souveränität eingeschränkt sind. Das darf getrost als Stimmungsmache verstanden werden. Dass neben Österreich auch die USA und Ungarn sowie leider auch Australien ihre Zustimmung zurückgezogen haben, überrascht uns jetzt nicht wirklich …

Wer sich zu den Inhalten des Paktes weiter informieren möchte, findet auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen weitere Links zum vollständigen Beschlusstext auf deutsch und englisch.

Sich gegen Hate Speech wehren

Was du gegen den Hass im Internet tun kannst

No hate aus Scrabble-Spielsteinen

©Wokandapix/pixabay

Viele von uns sind täglich unterwegs in diesem Internet und engagieren sich bereits auf vielen Wegen gegen den Hass und Hate Speech. Unsere Website ist ja auch aus der Motivation heraus entstanden zu zeigen, dass die blaubraunen Schreihälse eben nicht die Mehrheit sind.

Wenn du gerade auf der Suche danach bist, wie du ganz konkret dagegen vorgehen kannst, dann findest du im Artikel Hate Speech: Das hilft gegen Hass im Internet eine ganze Reihe wertvoller Hinweise, egal ob du selbst betroffen bist oder Adressaten von Hate Speech unterstützen möchtest.

Werde aktiv gegen Hater!

Wenn du darüber hinaus tätig werden möchtest, haben wir ebenfalls einige Links zusammengetragen: Was kannst du sonst noch tun?

Lass dich nicht einschüchtern, denn genau das ist die Absicht der rechten Hater und Trolle. Zeig ihnen, dass du nicht alleine bist und dass du Hate Speech nicht akzeptierst.

 

Wenn Retter am Retten gehindert werden

Seenotrettung wird weiter unmöglich gemacht

©KarinKarin/pixabay

In einem Interview mit Euractiv erklärt Jana Ciernioch, Communications Manager für SOS Mediterranée, was die EU seit 2015 alles unternommen hat, um die Seenotrettung zu erschweren oder sogar ganz zu verhindern. Sie verdeutlicht, dass all diese Maßnahmen im Grunde gegen internationales Recht verstoßen. So sagt sie unter anderem:

„Was im Mittelmeer passiert ist keine Naturkatastrophe, sondern eine vermeidbare humanitäre Tragödie. Europäische Entscheidungsträger können etwas tun, damit diese Tragödie beendet wird. Aber solange Menschen ihr Leben aus seeuntüchtigen Booten riskieren müssen, weil sie keinen anderen Weg finden, vor der Gewalt und Willkür in Libyen zu fliehen, und solange es kein europäisches Rettungssystem gibt, müssen wir vor Ort sein. Wir fordern, nicht am Leben retten gehindert zu werden.“

Wir finden es nach wir vor unfassbar, dass Europa hier so umfassend versagt und täglich Menschen ertrinken lässt. Als im Juni kein Seenotrettungsschiff unterwegs war, ertranken allein in diesem Monat 600 Menschen!

Auf der Website von SOS Mediterranée könnt ihr eine europaweite Petition unterzeichnen, für die Aquarius, und für die zivile Seenotrettung.

Zur Externalisierung der europäischen Asylpolitik

Von der Dystopie zur traurigen Realität

Schiffswrack am Strand

©LaughingRaven/pixabay

In seinem unbedingt lesenswerten Artikel Safe Haven Libya? (Reloaded) beschreibt der Journalist Jochen Schwarz fundiert und durch zahlreiche Quellen belegt, wie die europäische Asylpolitik in den letzten 12 Jahren scheinbar unaufhaltsam nach rechts gedriftet ist und inzwischen nur mehr ein „Torso“ des ursprünglich geplanten gemeinsamen europäischen Asylrechts ist.

Wir finden es bedrückend mitzuerleben, wie eine große Idee, ein geeintes Europa, immer mehr zur Farce verkommt, in deren Namen Folter, Vergewaltigung und der Tod von Menschen mindestens billigend in Kauf genommen wird. Wo Seenotrettung nicht nur privatisiert, sondern inzwischen auch radikal kriminalisiert wird, gegen herrschendes europäisches Recht.

Um die 1.800 Menschen sind dieses Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken, weil sich die Festung Europa abschottet und die Verantwortung für geflüchtete Menschen auf Staaten abwälzt, die meist auch nicht gerade für ihre humanistischen Ideale bekannt sind. 1.800 Menschen! Das sind 1.800 Einzelschicksale. Menschen, die auf der verzweifelten Suche nach einem besseren Leben die gefährliche Flucht über das Meer gewagt haben. Und Europa schaut hämisch grinsend zu.

Wir sind „auch das Volk“, und wir sind auch Europa! Lasst uns weiterhin dafür kämpfen.

Nachwuchs gesucht: Lehrer*innenprojekt für Geflüchtete

Lehrkräfte Plus an der Ruhruni Bochum

Klassenzimmer

©shannonmatthew/pixabay

In diesem Sommersemester konnten erstmals 25 Geflüchtete, die in ihrer Heimat als Lehrer*innen tätig waren, an der RUB an diesem Projekt teilnehmen.

„Das Programm „Lehrkräfte Plus“ bietet ihnen eine neue Perspektive. Durch dieses Projekt haben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich auf sprachlicher Ebene, in Form eines Deutschkurses und auf fachlicher Ebene, unter anderem durch fachwissenschaftlich-fachdidaktische Vertiefungen und Hospitanzen an Schulen weiterzubilden. Außerdem gewinnen sie Einblicke in das nordrhein-westfälische Schulsystem. So sollen die Chancen erhöht werden, eine Stelle in ihren erlernten Jobs mit Unterrichtsfächern wie Englisch, Mathematik, Französisch, Chemie, Physik oder Sport an Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu bekommen.“ (Quelle: bszonline)

Die Bewerbungsphase für das kommende Sommersemester startet jetzt und läuft bis zum 16. November. 

Hier findet ihr alle Informationen zu den Inhalten des Projekts Lehrkräfte Plus und zum Bewerbungsablauf.

Wir finden, dass das ein tolles Projekt für Integration ist und wünschen allen Teilnehmenden viel Erfolg!