Grausame Zustände in libyschen Flüchtlingslagern

Nachrichten aus der Hölle

Weinendes Kind vor zerbombtem Haus

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Die irische Journalistin Sally Hayden steht per SMS mit Flüchtlingen in Kontakt, die teilweise seit Monaten oder sogar Jahren in von Milizen kontrollierten – und von der EU mitfinanzierten! – libyschen Flüchtlingslagern dahin vegetieren. Libyen ist so schön weit weg, da können die meisten Menschen die Augen verschließen vor Folter, Vergewaltigung und Mord, vor unhygienischen Zuständen der schlimmsten Art, vor Hunger, Hoffnungslosigkeit und Wahnsinn.

Wer die Nachrichten auf Sally Haydens Handy liest und immer noch meint, das Thema Migration ließe sich „lösen“, indem man Menschen wie Vieh behandelt, ist schlicht ein empathieloses Monster. Sorry, das musste mal gesagt werden.

Hier geht es zum vollständigen Bericht auf SPON: „Keiner weiß, wie viele sterben“.

Wenn Retter am Retten gehindert werden

Seenotrettung wird weiter unmöglich gemacht

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In einem Interview mit Euractiv erklärt Jana Ciernioch, Communications Manager für SOS Mediterranée, was die EU seit 2015 alles unternommen hat, um die Seenotrettung zu erschweren oder sogar ganz zu verhindern. Sie verdeutlicht, dass all diese Maßnahmen im Grunde gegen internationales Recht verstoßen. So sagt sie unter anderem:

„Was im Mittelmeer passiert ist keine Naturkatastrophe, sondern eine vermeidbare humanitäre Tragödie. Europäische Entscheidungsträger können etwas tun, damit diese Tragödie beendet wird. Aber solange Menschen ihr Leben aus seeuntüchtigen Booten riskieren müssen, weil sie keinen anderen Weg finden, vor der Gewalt und Willkür in Libyen zu fliehen, und solange es kein europäisches Rettungssystem gibt, müssen wir vor Ort sein. Wir fordern, nicht am Leben retten gehindert zu werden.“

Wir finden es nach wir vor unfassbar, dass Europa hier so umfassend versagt und täglich Menschen ertrinken lässt. Als im Juni kein Seenotrettungsschiff unterwegs war, ertranken allein in diesem Monat 600 Menschen!

Auf der Website von SOS Mediterranée könnt ihr eine europaweite Petition unterzeichnen, für die Aquarius, und für die zivile Seenotrettung.

Zur Externalisierung der europäischen Asylpolitik

Von der Dystopie zur traurigen Realität

Schiffswrack am Strand

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In seinem unbedingt lesenswerten Artikel Safe Haven Libya? (Reloaded) beschreibt der Journalist Jochen Schwarz fundiert und durch zahlreiche Quellen belegt, wie die europäische Asylpolitik in den letzten 12 Jahren scheinbar unaufhaltsam nach rechts gedriftet ist und inzwischen nur mehr ein „Torso“ des ursprünglich geplanten gemeinsamen europäischen Asylrechts ist.

Wir finden es bedrückend mitzuerleben, wie eine große Idee, ein geeintes Europa, immer mehr zur Farce verkommt, in deren Namen Folter, Vergewaltigung und der Tod von Menschen mindestens billigend in Kauf genommen wird. Wo Seenotrettung nicht nur privatisiert, sondern inzwischen auch radikal kriminalisiert wird, gegen herrschendes europäisches Recht.

Um die 1.800 Menschen sind dieses Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken, weil sich die Festung Europa abschottet und die Verantwortung für geflüchtete Menschen auf Staaten abwälzt, die meist auch nicht gerade für ihre humanistischen Ideale bekannt sind. 1.800 Menschen! Das sind 1.800 Einzelschicksale. Menschen, die auf der verzweifelten Suche nach einem besseren Leben die gefährliche Flucht über das Meer gewagt haben. Und Europa schaut hämisch grinsend zu.

Wir sind „auch das Volk“, und wir sind auch Europa! Lasst uns weiterhin dafür kämpfen.

Mittelmeerüberquerungen sind tödlicher denn je

Desperate Journeys

Schwimmweste am Strand

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Das UN-Flüchtlings-Hilfswerk UNHCR zeigt in seinem aktuellen Bericht „Desperate Journeys“ (auf Deutsch etwa „Verzweifelte Überfahrten“) auf, dass dieses Jahr jeder 18. Mensch, der sich auf die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer begab, dieses Wagnis nicht überlebte. Es starben genauso viele Menschen wie 2017, obwohl die Gesamtzahl der nach Europa kommenden Menschen drastisch zurückgegangen ist.

Die UNHCR möchte mit ihrem Bericht die politischen Entscheidungsträger in Europa dazu aufrufen, mehr sichere und legale Fluchtwege zu eröffnen.

Weitere Informationen findet ihr in der aktuellen Pressemitteilung der UNHCR. Der vollständige Bericht Desperate Journeys ist hier abzurufen.