Psychische Erkrankungen bei Geflüchteten

Wie das geltende Asylrecht Menschen noch kränker macht

Hockender Mann mit Hoodie auf Bahnsteig

©lechenie-narkomanii/pixabay

Ein Aspekt, der in der ganzen Debatte um Migration und Integration oft untergeht, ist, dass drei von vier Geflüchteten schwere Traumata erlitten haben: Sie mussten mit ansehen, wie Angehörigen Gewalt angetan wurde oder diese sogar getötet wurden. Sie wurden selbst geschlagen, missbraucht, gefoltert. Sie haben Bombardierungen überlebt und dabei Freunde und Verwandte verloren. Man kann sich das kaum vorstellen.

Sehr viele Geflüchtete, bis zu 70 Prozent, leiden daher unter Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen wie Panikattacken und anderen Angststörungen. Und sie werden leider in viel zu geringem Umfang dabei unterstützt, diese schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Es mangelt an dafür ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten, an Dolmetschern, auch an dem dafür nötigen Geld und der Organisation.

Im sehr lesenswerten ZEIT-Artikel Ein Asylrecht, das krank macht, werden die bestehenden Hürden umfassend beschrieben. Die Erhebungen und Studien werden genannt, Fachleute zitiert. Und am Beispiel von Said, einem minderjährigen afghanischen Flüchtling, wird auch sehr nachdrücklich gezeigt, was therapeutische Hilfe leisten kann.

Aber das muss natürlich politisch gewollt sein … und leider ist eher das Gegenteil der Fall, wie wir ja wissen.

Logo Global Compact for Migration

Infos zum globalen Pakt für Migration

Was steht da wirklich drin?

Logo Global Compact for MigrationIn den letzten Tagen wurde viel Wind darum gemacht: Der globale Pakt für Migration entstand als Folge eines Gipfeltreffens zu Flucht und Migration der UN-Generalversammlung am 19. September 2016, auf dem Staats- und Regierungschefs die New York-Erklärung verabschiedeten. Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen findet sich eine Zusammenfassung. Dort ist u.a. zu lesen:

Der globale Migrationspakt nennt 23 Ziele, die sich die Staaten setzen, um die Herausforderungen globaler Migration zu bewältigen. Im Grunde genommen soll die internationale Koordination der Migration verbessert werden und die Rahmenbedingungen für Migration humaner gestaltet werden. Ferner sollen die Hauptursachen für Migration gezielt behoben werden. Zur Erreichung dieser Ziele stützt sich der Migrationspakt auf internationale Abkommen, die die Standards für die Erreichung dieser Ziele setzen sollen.

Anders als zuletzt vom österreichischen Bundeskanzler Kurz suggeriert, ist der Pakt kein rechtlich bindendes Dokument, so dass die teilnehmenden Staaten in keiner Weise in ihrer Souveränität eingeschränkt sind. Das darf getrost als Stimmungsmache verstanden werden. Dass neben Österreich auch die USA und Ungarn sowie leider auch Australien ihre Zustimmung zurückgezogen haben, überrascht uns jetzt nicht wirklich …

Wer sich zu den Inhalten des Paktes weiter informieren möchte, findet auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen weitere Links zum vollständigen Beschlusstext auf deutsch und englisch.

Zur Externalisierung der europäischen Asylpolitik

Von der Dystopie zur traurigen Realität

Schiffswrack am Strand

©LaughingRaven/pixabay

In seinem unbedingt lesenswerten Artikel Safe Haven Libya? (Reloaded) beschreibt der Journalist Jochen Schwarz fundiert und durch zahlreiche Quellen belegt, wie die europäische Asylpolitik in den letzten 12 Jahren scheinbar unaufhaltsam nach rechts gedriftet ist und inzwischen nur mehr ein „Torso“ des ursprünglich geplanten gemeinsamen europäischen Asylrechts ist.

Wir finden es bedrückend mitzuerleben, wie eine große Idee, ein geeintes Europa, immer mehr zur Farce verkommt, in deren Namen Folter, Vergewaltigung und der Tod von Menschen mindestens billigend in Kauf genommen wird. Wo Seenotrettung nicht nur privatisiert, sondern inzwischen auch radikal kriminalisiert wird, gegen herrschendes europäisches Recht.

Um die 1.800 Menschen sind dieses Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken, weil sich die Festung Europa abschottet und die Verantwortung für geflüchtete Menschen auf Staaten abwälzt, die meist auch nicht gerade für ihre humanistischen Ideale bekannt sind. 1.800 Menschen! Das sind 1.800 Einzelschicksale. Menschen, die auf der verzweifelten Suche nach einem besseren Leben die gefährliche Flucht über das Meer gewagt haben. Und Europa schaut hämisch grinsend zu.

Wir sind „auch das Volk“, und wir sind auch Europa! Lasst uns weiterhin dafür kämpfen.

Aufruf Großdemo #unteilbar

Großdemo am 13.10.2018 in Berlin: #unteilbar

Wer fährt mit nach Berlin?

Aufruf Großdemo #unteilbarUnter dem Motto SOLIDARITÄT STATT AUSGRENZUNG – FÜR EINE OFFENE UND FREIE GESELLSCHAFT organisiert ein breites Bündnis aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kräften diese Kundgebung.

Wir finden, es wird höchste Zeit, dass wieder ganz, ganz viele Menschen auf die Straße gehen und den braunblauen Schreihälsen zeigt: Wir sind die Mehrheit!